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critics

Bei TATI bekommt man es für 300 FF ... Für die Extras muß man natürlich – wie überall – noch etwas drauflegen. Aber das Geschäft mit der Liebe boomt. Denn es ist billig bei TATI, aber nie schmutzig. Im Gegenteil: Transparent und aseptisch verpackt, werden Tausende von Träumen von ewiger Liebe und Lebensglück in großen Pappkartons angeliefert, aufgepackt und feilgeboten. Das größte Brautmoden-Geschäft von Paris ist Teil des Imperiums der Billigkaufhauskette TATI in Barbès, einem multikulturellen Einwandererviertel am Fuße des Montmartre mitten in Paris – einer zugegebenermaßen eher schlechten Gegend der französischen Hauptstadt. Bekannt geworden sind vor allem TATI’s rosa-weiß-karierten Plastiktüten, die als karikierendes Accessoire der arabischen Gastarbeiter eine (zweifelhafte) Karriere gemacht haben. In diesen Beuteln werden sie davongetragen: Träume aus blütenweißem Chiffon ... die eben noch zu Hunderten … fein säuberlich von größe 34 bis 48 sortiert, dicht an dicht hingen. Alles dient der Vorbereitung für den „schönsten Tag im Leben“. Ein käufliches Glück. Was danach kommt, weiß keiner – nicht die Bräute, nicht ihre beratenden Freundinnen, noch die Verkäuferinnen, für die das Geschäft mit weißen Träumen Alltag ist. Ein Tag bei TATI öffnet den Blick für unterschiedlichste Lebensgeschichten, Schicksale, fokussiert im Kauf eines Brautkleides. Aber egal, ob zum ersten, zweiten oder dritten Mal: immer ist die Ehe auch der Triumph der Hoffnung über die Erfahrung …
   Angela Haardt
Filmfest Ludwigsburg 1999
 

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